Elektronische Informationssuche: Warum schneller nicht immer besser ist, Teil1

Die elektronische Informationssuche ist im beruflichen wir privaten Kontext allgegenwärtig. Wie heißt nochmal der Regisseur des letzten Star-Wars-Films? Google weiß die Antwort. Wie viele Leads haben wir durch unseren Messeauftritt generiert? Eine kurze Recherche im CRM hilft schnell weiter. Was schenke ich bloß zum Hochzeitstag? Mal sehen, was Amazon vorschlägt. Und wie entwickelt sich der Syrien-Konflikt? Das Online-Portal der bevorzugten Tageszeitung hält sicher eine Suchfunktion parat.

 

Wie suchen wir?

Heutzutage lassen sich die meisten Fragen binnen kürzester Zeit beantworten. Die elektronische Informationssuche ist so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir kaum noch über bewusst darüber nachdenken. Alles scheint automatisch zu geschehen. Doch welche Faktoren beeinflussen Suchverhalten, Sucherleben und letztendlich Sucherfolg eigentlich genau? So groß die Fortschritte des letzten Jahrzehnts auch sind, das Potenzial für weitere Optimierungen ist weiterhin enorm. Das weltweit stetig wachsende Datenvolumen fordert immer effizientere und intuitivere Suchmöglichkeiten. Ein elementarer Einflussfaktor des Suchverhaltens taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf: die Zeit.

 

100 Millisekunden: Die Zeit läuft…

Oder genauer gesagt: zeitliche Verzögerungen. Studienergebnisse zeigen, dass bereits minimale zeitliche Verzögerungen ab ca. 100 Millisekunden das Suchverhalten auf Google beeinflussen, respektive verändern können. Und: Die Toleranz für zeitliche Verzögerungen sinkt konstant. Während 1990 die Toleranzschwelle für zeitliche Verzögerungen bei acht bis zehn Sekunden lag, sank sie bis zum Jahr 2000 auf zwei bis vier Sekunden. Auch wenn die exakten Angaben in diversen Studien variieren: Die deutlich abnehmende Tendenz der als akzeptabel eingeschätzten Wartezeiten haben all diese Zahlen gemein.

 

Kosten der Informationssuche

Im Bereich des Information Retrieval beschäftigen sich verschiedenen Theorien mit dem Einflussfaktor der Zeit bei der Informationssuche. Die Information Foraging Theory und die Search Economy Theory seien an dieser Stelle beispielhaft genannt. Sie betrachten verschiedene Kostenfaktoren bei der Informationssuche. So gibt es zum einen kognitive Kosten (wie viel komplexes Nachdenken erfordert die Formulierung einer Suchanfrage?) und zum anderen physische (in wie vielen Klicks oder Tastenanschlägen gelange ich an das Informationsziel?). Auch die Zeit, die zur Eingabe von Suchanfragen oder zur Navigation durch Ergebnislisten benötigt wird, ist ein relevanter Kostenfaktor. Im Idealfall halten Informationssysteme all diese Kostenfaktoren so gering wie möglich.

 

Spannendes Experiment

Forscher der University of Glasgow in Schottland berichten von spannenden Effekten zeitlicher Verzögerungen auf das Verhalten von Informationssuchenden. In einem Experiment manipulierten sie sowohl die Wartezeit nach der Eingabe einer Suchanfrage in einer Suchmaschine bis zur Darstellung der Ergebnisliste, als auch die Wartezeit bis zum Zugriff auf einzelne Dokumente aus dieser Ergebnisliste. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass zeitliche Verzögerungen bei der Formulierung von Suchanfragen dazu führen, dass Nutzer weniger Suchanfragen stellen und dafür mehr Zeit innerhalb einer Ergebnisliste verbringen sowie mehr einzelne Dokumente betrachten. Andersherum führt eine zeitliche Verzögerung beim Zugriff auf Dokumente dazu, dass Suchende mehr Suchanfragen formulieren und weniger Dokumente pro Ergebnisseite betrachten. Wie im wissenschaftlichen Kontext üblich, weist die Studie jedoch einige methodische Limitierungen auf, weshalb die Ergebnisse mit ein wenig Vorsicht zu genießen sind. Was aber in jedem Fall deutlich wird: Zeitliche Verzögerungen beeinflussen unser Verhalten und unsere Strategie bei der Informationssuche und damit vermutlich auch die Ergebnisqualität.

 

Welche Rückschlüsse sich daraus ergeben und warum schneller nicht immer besser bedeutet, lesen Sie in Kürze hier im EASY Blog.