Künstliche Intelligenz und Rechnungsverarbeitung: Passt das zusammen?, Teil 2

Vor kurzem habe ich an dieser Stelle im ersten Teil meines Blog-Beitrags über meine Erfahrung zu Künstliche Intelligenz im Alltag berichtet. Heute betrachte ich das Thema näher im  Kontext der Rechnungsbearbeitung.


Intelligente Eingangspostbehandlung

Wird ein Eingangskanal nicht ausschließlich für den Rechnungseingang genutzt, sondern dient auch als Eingangstor für weitere Informationen, bewegen wir uns im Dunstkreis der so genannten Posteingangslösungen oder auch Digital-Mailroom-Lösungen. Auch hier kommen bereits seit langen KI-basierte Lösungen zum Einsatz. Dabei basiert eine Klassifizierung der Dokumente nicht mehr rein auf der Erkennung von Schlüsselbegriffen oder isolierten, formalen Kriterien. Eine semantische Analyseeinheit analysiert und „versteht“ den Inhalt eines Briefs oder einer E-Mail soweit, dass nicht nur die Art der Information zuverlässig erkannt wird, sondern auch alle relevanten Informationen für die Weiterverarbeitung strukturiert bereitstehen. Es liegt auf der Hand, dass durch die Reduzierung manueller Schritte die Prozessgeschwindigkeit steigt und Kosten eingespart werden können.


Stimmungslagen erkennen…

Die am weitesten entwickelten Systeme erfassen dabei nicht nur die enthaltenen Informationen, sondern können darüber hinaus auch die Stimmungslage des Absenders erkennen (mood analysis). Diese Informationen unterstützen gerade in Anwendungsbereichen wie dem Beschwerde­management und der Reklamationsbearbeitung massiv. Verwandte Techniken analysieren so beispielsweise bereits heute kontinuierlich bestimmte Kanäle in sozialen Medien und prognostizieren mit einer hohen Treffergenauigkeit und sehr frühzeitig den Erfolg oder Misserfolg von Produkten.


Sprachsteuerung hilft

Beobachten wir Lösungen für die Rechnungsbearbeitung in der Praxis, so stellen wir fest, dass die Prüfung und Freigabe von Rechnung, trotzt aller digitaler Unterstützung, oft noch ein Zeitfresser im Gesamtablauf darstellt. Häufig ist der Grund darin zu finden, dass die jeweiligen Verantwortlichen häufig und lange unterwegs sind. Die oben bereits erwähnten spezialisierten Apps für die Bearbeitung auf mobilen Endgeräten sorgen hier bereits für spürbare Entlastung.

Hier kommen weitere Lösungen aus dem Feld der KI zum Einsatz. Aus dem privaten Bereich kennen wir bereits seit einiger Zeit Assistenzsysteme wie beispielsweise Siri, Google Assistent oder Alexa. Nutzen wir nun die Fähigkeit solcher Systeme, Informationen sinnvoll und in natürlicher Sprache bereitzustellen und auf gesprochene Anweisungen zu reagieren, schließt sich eine weitere Lücke in den Finanz-Prozessen der Unternehmen. Was spricht also dagegen, unterwegs und zum Beispiel auf Autofahrten zwischen dem, sprachgesteuerten, Starten einer Playlist und dem Abruf von E-Mails auch noch eben einige Rechnungen freizugeben und so die Skontoeinsparungen sicher zu stellen?


Systeme lernen selbstständig

In naher Zukunft werden wir mit intelligenten IT-Systemen ebenso intuitiv zusammenarbeiten wie heute mit menschlichen Assistenten. Viele, heute noch manuelle oder halbmanuelle Schritte, werden uns intelligente Softwaresysteme abnehmen, die Kommunikation wird, wo sinnvoll, durch natürliche Sprache erfolgen. Die Systeme werden selbständig dazulernen und die Anwender aktiv unterstützen.

Durch die Analyse großer Datenmengen (Big Data) steigt die Transparenz über die vorhandenen Informationen und werden Trends frühzeitig erkennbar. Die intelligenten Assistenten nutzen diese Informationen, vernetzen sie in Echtzeit mit zahlreichen weiteren, internen wie externen, Informations­­quellen, kennen die Bedarfe ihrer Benutzer und unterstützen die Anwender aktiv bei ihren Tätigkeiten und ihren täglichen Entscheidungen.