Digitalisierung überm Tellerrand: Bayern, BVB und Schalke vorne – Leipzig Letzter

Dass die Digitalisierung auch im Profisport dazu gehört, ist kein Geheimnis. Das trifft auch und gerade auf den Profifußball zu. Man denke nur an die Torlinientechnik hawk-eye oder die berühmt-berüchtigten Packing-Werte, also die digitale Analyse des Passspiels von einzelnen Kickern und ganzen Mannschaften.

Wie aber ist es eigentlich um den Digitalisierungsgrad der Vereine der ersten Fußball-Bundesliga bestellt? Antwort darauf gibt laut dem Fachmagazin kicker eine Auswertung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Sie hat das digitale Angebot der 18 Bundesligisten untersucht und eine Rangliste erstellt. Die Ergebnisse überraschen zuweilen und weichen in Teilen erheblichen von den sportlichen Ergebnissen der abgelaufenen Saison ab.

 

Die üblichen Verdächtigen… oder auch nicht

Okay, dass Bayern und Dortmund auch in Sachen Digitalisierung zu den Top-Teams zählen mag noch zu erwarten gewesen sein. Fans von Schalke und Wolfsburg hingegen dürften sich wünschen, dass die Profis aus Fleisch und Blut eine ähnlich gute Leistung gezeigt hätten wie die Digitalisierungsprofis in ihren Vereinen. Aber der Reihe nach und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

top four in Sachen Digitalisierung…

Durch und durch professionell zeigt sich der FC Bayern in der digitalen Fan-Ansprache. „Die kontinuierlich vorangetriebene Internationalisierung der vergangenen Jahre zahlt sich aus“, urteilt Studienleiter Prof. Dr. Kawohl. So habe der Rekordmeister dank digitaler Tools bereits den chinesischen Markt erschlossen. Dortmund hingegen setzt einen anderen – für Fans sicher nicht minder attraktiven – Schwerpunkt: Der Klub ist Vorreiter in Sachen „Recruiting“. Er schreibt für Anhänger und Fans interessante Jobs online aus, Interessenten durchlaufen ein digitales Bewerbungssystem.

Schalke 04 bestätigt seinen Ruf als einzigartiger Verein auch in puncto Digitalisierung. Die Königsblauen punkten mit umfangreichen und ausgedehnten eSport-Aktivitäten und einem digitalen Bonusprogramm, mit dem sich der Klub im Herzen des Ruhrgebiets nach Ansicht der Wissenschaftler „vom Rest der Liga abhebt.“

Auch Wolfsburg zählt im Ranking der HTW Berlin zu den Top-Teams. Interaktionsmöglichkeiten, ein vorbildliches Klub-TV, Gewinnspiele, eSport-Aktivitäten, Angebote für Kinder, eine digitale Vereinschronik und die Möglichkeit, Vereinslieder im Internet herunterzuladen, machen den VfL zu einem „Top-Performer.“

 

…und ein breites Mittelfeld

In Lauerstellung dahinter: EASY Kunde Borussia Mönchengladbach. Die „Fohlen-Elf“ bespielt zahlreiche digitale Kanäle, erreicht die Angebote der vier besten Teams jedoch (noch) nicht. Dahinter folgt ein breites Mittelfeld, u. a. mit den Klubs aus Berlin, Bremen, Hamburg (nur hier gibt es das Vereinsmagazin kostenlos als E-Paper) oder Köln. Die Domstädter brachten kürzlich ein Virtual-Reality-Projekt auf den Weg: Fans sollen die Profis in der Kabine und auf dem Trainingsplatz aus einer 360-Grad-Perspektive begleiten können.

 

Der Tabellenkeller

Digitale Dunkelheit herrscht vor allem bei Leverkusen, Darmstadt, Augsburg, Freiburg und Leipzig. Wie die Analyse der HTW Berlin zeigt, fehlt es bei dem sportlichen „Überflieger“ RBL in der Ansprache von Fans an vielen Punkten. So gibt es bislang keinen Kids-Club, zudem existierte bis zum Februar 2017 nicht einmal eine Smartphone-App. Eher bieder und weitgehend innovationsfrei kommen auch die digitalen Auftritte vom SC Freiburg, dem FC Augsburg und dem mittlerweile abgestiegenen SV Darmstadt 98 daher. Sämtliche Klubs am Ende der Rangliste konnten die Wissenschaftler nicht überzeugen. Als „defensiv“ lasse sich das Angebot von Mainz 05 bezeichnen. Die Rheinhessen gehören nicht zu den digitalen Vorreitern und nehmen einen Platz im unteren Drittel der Bundesliga ein. Leverkusen spreche seine Anhänger „nur“ über die klassischen und bekannten Kanäle an. Damit landet die Werkself im digitalen Ranking gerade einmal im durchschnittlichen Mittelfeld.

 

WLAN wo bist du?

Grundsätzlichen Verbesserungsbedarf sehen die Forscher bei den WLAN-Angeboten im Stadion. Nur bei sieben Klubs gibt es einen Hotspot für den mobilen Datenverkehr. Die Nutzung von Instant Messengern sei gerade einmal bei zwei Klubs möglich.

 

Und die Moral von der Geschicht´?

Digitalisierung ist überall – auch im Fußball. Für die millionenschweren Vereine gehört die Digitalisierung eindeutig zur unternehmerischen Pflicht – gerade im Hinblick auf neue Zielgruppen und Vermarktungsmöglichkeiten im In- und Ausland. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges bewegen dürfte. Eines aber ändert sich für eingefleischte Fans auch mit der Digitalisierung nicht: Wichtig ist auf´m Platz…