Digitale Transformation

„Bitte ein Taxi“ – Wie die Innovation der Taxi Apps eine ganze Branche umkrempelt

In Verbindung mit der Digitalisierung ist immer wieder von Disruption die Rede. Eine disruptive Innovation entsteht häufig aus einer Nische heraus, wirkt bahnbrechend auf den Markt ein und verdrängt nachhaltig und unumkehrbar bereits bestehende und erfolgreiche Geschäftsmodelle – oft einer gesamte Branche. So geschieht es gerade mit den Taxizentralen, die von neuen Taxi Apps ziemlich aufgemischt werden.

Taxi bestellen, so einfach wie noch nie

Ich nehme mein Smartphone in die Hand, die richtige App meldet sich schon mal von alleine. Per Touch-ID autorisiere ich die Zahlung. Fertig ist das Formale. Na gut, der Taxifahrer möchte noch bewertet werden „aber nur bei fünf Sternen, sonst lassen Sie das bitte lieber!“, ruft er mir zu. Das Bezahlen der Taxifahrt war genauso einfach wie das Bestellen. Ich habe per App meinen Standort und das Ziel ausgewählt sowie die gewünschte Abfahrtszeit und schon nach wenigen Minuten ging es los. Wenn ich dienstlich unterwegs bin und Projektnummer und Kostenstelle eintrage, erfolgt die Verrechnung sogar direkt über meinen Arbeitgeber und ich habe mit der Reisekostenabrechnung gar nichts mehr zu tun.

Digitalisierung, da wo man sie braucht

Wie einfach solch ein digitalisierter Prozess sein kann, wird erst klar, wenn man an die Vergangenheit denkt. Vorbei sind die Zeiten des Bangens, dass bei längeren Taxifahrten womöglich das nötige Kleingeld im Geldbeutel fehlt (natürlich funktioniert die Kreditkarte eigentlich immer – außer im Taxi). Vorbei sind die Zeiten des Suchens nach den Quittungen für die Reisekostenabrechnung, vorbei die Suche nach Telefonnummern und Taxiständen. Das Leben kann so einfach und bequem sein.

Disruptive Taxi App konkurriert mit Taxivermittlern

Vorbei aber auch die Telefonate mit der freundlichen Dame oder dem freundlichen Herrn von der Taxi-Zentrale. Mit dem Entstehen neu aufgesetzter digitaler Geschäftsmodelle kann die Luft für manch einen Intermediär dünn werden. Die Vermittlungsleistung übernehmen nunmehr die einzelnen Plattformen – in diesem Fall mytaxi, welche sich inzwischen zu einer der führenden Plattformen in Deutschland ausgebreitet hat und mächtig dabei ist, sich zu internationalisieren. Dieses Potenzial fördern Investoren wie ein Mobilfunkkonzern, die größte deutsche Förderbank und namhafte Autobauer mit mehrstelligen Millionenbeträgen – Kein Wunder, dass ich in meiner App sogar eine Automarke als Taxi präferieren kann.

mytaxi wächst rasant

Da ich seit zwei Jahren regelmäßig auf den gleichen Strecken vom Flughafen Düsseldorf aus unterwegs bin, habe ich mir die Freiheit genommen, regelmäßig nachzufragen, wie die App mytaxi eigentlich bei den Fahrern ankommt. Wie hoch ist die Anzahl der Fahrten und wieviel Anteil nehmen sie insgesamt ein? Das Ergebnis ist beeindruckend: Waren es vor zwei Jahren noch ungefähr fünf Fahrten pro Woche, sind es nunmehr 30-60 Fahrten pro Woche – ein rasanter Anstieg. Manche Taxifahrer nehmen sogar ausschließlich Aufträge über die App an. Auffällig dabei ist, dass die Fahrer es nicht unerwähnt lassen, dass sie nicht gerade zur Fankurve der Taxizentralen gehören. Gefühlt stimmen hier Gebühren und Leistung nicht überein. Etwas leiser folgt dann die Kritik: Eigentlich hätten die Taxizentralen gemeinsam so ein digitales System aufsetzen müssen.

Bedrohte Wertschöpfungsketten

Deutlich wird, wie sehr sich durch die Digitalisierung ganze Wertschöpfungsketten verändern. Die Taxizentralen trifft das völlig disruptiv – sie fallen plötzlich aus der Wertschöpfungskette für die Vermittlung der Fahrten heraus. Inwieweit die Taxiunternehmen für die anderen Leistungen bereit sind, ihre Geschäftsanteile zu halten – circa 80 Prozent aller Taxen sind diesen Zentralen angeschlossen – wird sich zeigen. An diesem hautnahmen Beispiel sehen wir, was disruptiv bedeutet und wie so oft ist eine ganze Branche davon betroffen. Nicht nur die Vermittler, auch die Fahrer müssen mit Veränderungen klarkommen. Thema Bewertungen. Das Ranking hat natürlich Einfluss auf die künftige Verteilung der Fahrten. Es könnte passieren, dass weniger Fahrer in die Verteilungsroutinen der App aufgenommen werden oder manche zumindest nachrangig behandelt werden. Im Kampf um die Sterne kommt ganz schön viel Druck auf die Fahrer zu.

Taxizentralen bald Geschichte?

Interessant ist es wie sich die Provisionen der Plattformanbieter entwickeln, wenn der Anteil der App-Fahrten eine kritische Masse erreicht und aus 500 Taxizentralen in Deutschland vier oder sogar nur zwei akzeptierte Buchungsplattformen werden.
Meiner Meinung nach ist der disruptive Charakter von Taxi Apps zu vergleichen mit denen von Uber oder AirBnB. Die App wird einen überaus starken Einfluss auf das Geschäft mit strukturiertem Vermittlungscharakter ausüben und es tiefgreifend verändern. Und bei weitem nicht nur in dieser Branche.

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Über den Autor
Thomas Cziesla
Thomas Cziesla unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Digitalen Agenda. Nur privat kann er sich nicht dazu durchringen, seine Bücherregale zu digitalisieren.
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