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Tradition ist kein Geschäftsmodell

„Die Leute wollen kein Klavier spielen, sondern Musik hören.“ Zum Auftakt des EASYTalk – Konferenz für Interaktion und Dialog in Berlin erklärte Prof. Dr. Axel Winkelmann von der Universität Würzburg, warum einzig und allein der Kundennutzen in den Vordergrund rücken sollte. Anhand seiner eigenen Familiengeschichte im Klavierbau des 19. und 20. Jahrhunderts erläuterte er, dass Daten früher zentral an ihre Geräte gekoppelt waren. Jemand, der eigentlich nur Musik hören wollte, musste sich ein Klavier kaufen und spielen lernen. Später löste das Grammophon das Klavier ab. Der Rückgang von verkauften Klavieren machte sich deutlich bemerkbar und den Klavierbauern zu schaffen, denn ihr Geschäftsmodell beruhte nicht auf dem Hören von Musik, sondern auf dem Herstellen und Verkaufen von Klavieren. Sie hatten den eigentlichen Nutzen vieler Kunden nicht bedacht. Das Grammophon wiederum, ersetzten später Schallplatten, die Schallplatten wurden von CDs abgelöst, und so weiter. So verschwanden im Laufe der Zeit die technischen Geräte und mit ihnen die Unternehmen.

Der Kundennutzen bestimmt das Produkt

Beruht das Geschäftsmodell einer Firma auf Tradition und nicht auf dem Nutzen des Kunden, hat es keine Zukunft, verdeutlichte Winkelmann mit seinem Beispiel. Um es deutlich zu machen: Was der Kunde nicht will, hat auf Dauer keinen Bestand; Jammern über den ausbleibenden Umsatz sei vergeblich. Die Digitalisierung ist unumkehrbar; um weiter zu bestehen, müssen Unternehmen mit den Kunden gehen und sich verändern. Axel Winkelmann, der international anerkannte Fachexperte für Unternehmenssoftware, beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Digitalisierung und damit, wie sich Geschäftsmodelle und das Datenfundament von Unternehmen verändern. „Welche Veränderungsmöglichkeiten und Gestaltungspotentiale gibt es im Rahmen der Digitalisierung“, fragte er beim EASYTalk das Publikum. Die Zentralisierung der Daten vom Notenblatt zur Schallplatte und heute auf weltweit zentralen Streaming-Datenbanken hat dazu geführt, dass Menschen Musik von überall hören. Man könne dabei nicht vorhersagen, in welchem Umfang die Zentralisierung der Daten einzelne Branchen verändere, aber es lasse sich mit Sicherheit sagen: In keiner Branche können Unternehmen sich auf Ihrem traditionellen Geschäftsmodell ausruhen. Vielmehr sollten sie größtmögliche Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen und ein permanentes Hinterfragen der eigenen Tätigkeiten und Produkte betreiben. Kurz gesagt: Wer bereit ist sich zu verändern, hat die Chance, langfristig zu bestehen zu bestehen.

Das Ausmaß der Digitalisierung

Entscheidend sei es, den Kundennutzen zu erkennen und zu hinterfragen: Will der Kunde wirklich Klavier spielen oder nur Musik hören? Will er wirklich ein Auto oder nur von A nach B kommen? Will er seine Briefe digitalisieren oder einfach nur alle Informationen zentral zur Verfügung haben?

Bei der Entwicklung von zukünftigen Geschäftsmodellen sollten Unternehmen laut Winkelmann folgende Grundsätze beachten:

Virtualisierung: Alles, was virtualisiert werden kann, wird virtualisiert.

Integration: Alles, was zur Bildung eines zentralen Datenfundaments an Daten zusammengeführt werden kann, wird zusammengeführt.

Vernetzung: Alles, was digital vernetzt werden kann, wird vernetzt.

Kombinatorik: Alles, was digital kombiniert werden kann, wird kombiniert.

Standardisierung: Alles, was standardisiert werden kann, wird standardisiert.

Automatisierung: Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert.

Die fortschreitende Digitalisierung führe schließlich zu immer größeren Datenfundamenten, mit immer größeren Möglichkeiten zur Automatisierung und Flexibilisierung von Prozessen. Um im digitalen Zeitalter gut aufgestellt zu sein, dürften Unternehmen sich keine Illusionen machen. Denn „Stehenbleiben wird nicht nur immer teurer, sondern auch viel schneller teurer“, so die Schlussthese von Prof. Winkelmann, der sich mit den Digitalisierungsauswirkungen wöchentlich auch in seinem kostenlosen Audio-Podcast www.erp-podcast.de beschäftigt.

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